Einblicke · Künstliche Intelligenz · Softwareentwicklung
Die 10/90-Regel.
Das sichtbare Zehntel und die tragenden neun.
Mit Künstlicher Intelligenz steht ein Prototyp heute an einem Nachmittag. Er sieht fertig aus, er klickt sich flüssig, er beeindruckt. Der Weg von dort zu einer Software, die im echten Betrieb trägt — sicher, verlässlich, wartbar — ist planbare Handarbeit. Diese Arbeit ist kein Nachspiel, sondern der Kern des Handwerks. Ein Blick hinter die Kulissen: wie aus einem schnellen Entwurf ein verlässliches Produkt wird.
21. Juni 2026 · Lesezeit 9 Minuten · Mike Krister
01
Eine alte Regel,
neu bestätigt
Was 1985 für Programmierer galt,
gilt 2026 für die KI.
Schon 1985 brachte der Programmierer Tom Cargill von den Bell Labs eine Beobachtung auf den Punkt, die seitdem jeder kennt, der Software baut — festgehalten in Jon Bentleys Kolumne „Programming Pearls" in den Communications of the ACM. Sinngemäß: Die ersten 90 Prozent einer Software kosten 90 Prozent der Zeit. Die letzten 10 Prozent kosten noch einmal 90 Prozent der Zeit.
Der Prototyp
90 %
entstehen mit KI in Stunden — die gut dokumentierten Standardfälle, die das Netz tausendfach kennt.
Die Praxis
66 %
der Entwickler nennen „fast richtig, aber nicht ganz" als größten Frust mit KI-Code. Stack Overflow 2025
Die Regel
1985
ist die 90/10-Verteilung dokumentiert. Kein neues Risiko, sondern bekanntes Handwerk.
Künstliche Intelligenz hat an dieser Verteilung nichts geändert. Sie hat sie nur sichtbarer gemacht: Die KI liefert die ersten 90 Prozent in Rekordzeit — und rückt damit die eigentliche Arbeit, die tragenden letzten 10 Prozent, umso klarer ins Bild.
Die Zahlen sind Absicht.
90 plus 90 ergeben bewusst mehr als 100 — ein Augenzwinkern mit ernstem Kern: Der sichtbare Teil einer Software und ihr tragender Teil sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wer das weiß, kalkuliert beide von Anfang an ein.
02
Warum die ersten 90 %
so schnell gehen
Die ersten 90 %
sind die gut bekannten.
Eine Eingabemaske, eine Produktliste, ein Kontaktformular, ein Login — solche Aufgaben sind in tausenden Varianten im Internet beschrieben. Genau daraus hat die KI gelernt. Sie erkennt das Muster und schreibt in Sekunden, wofür ein Mensch früher Stunden brauchte. Das Ergebnis sieht echt aus und lässt sich vorführen — ein ehrlicher Fortschritt.
Demo ist nicht Betrieb.
Ein Prototyp muss einmal funktionieren — vor wohlwollendem Publikum, mit sauberen Beispieldaten. Echte Software muss tausendfach funktionieren: mit echten Kunden, echten Daten und echten Fehlern. Zwischen beidem liegen die letzten 10 Prozent.
Diese Lücke hat in der Fachwelt einen Namen. Der Google-Entwickler Addy Osmani nannte sie 2024 das „70-Prozent-Problem": KI bringe einen erstaunlich schnell auf etwa 70 Prozent einer Lösung — der letzte Teil, der eine Vorführung von einem fertigen Produkt trennt, bleibe die härteste Arbeit. Anfang 2026 hat er nachgelegt: Bei neuen, überschaubaren Projekten reiche die KI heute oft bis 80 Prozent und weiter. Doch der Abstand zwischen Prototyp und betriebsbereiter Software „wird kleiner, aber er ist nicht verschwunden". Ob man es 70/30 nennt oder 90/10 — die Erfahrung dahinter ist dieselbe.
Das Tempo-Gefühl trügt — deshalb wird gemessen.
Eine viel beachtete Studie des Forschungsinstituts METR begleitete 2025 erfahrene Entwickler bei echter Projektarbeit mit KI-Werkzeugen. Sie erwarteten, rund 24 Prozent schneller zu sein, und fühlten sich auch schneller — gemessen brauchten sie etwa 19 Prozent länger. Aufräumen, Prüfen und Korrigieren fraßen den gefühlten Vorsprung auf. Wer verlässlich plant, rechnet mit der gemessenen Zeit, nicht mit dem Gefühl.
03
Was in den
letzten 10 % steckt
Unsichtbar in der Demo.
Entscheidend im Betrieb.
Die letzten 10 Prozent sind keine einzelne große Aufgabe. Sie bestehen aus vielen kleinen, die auf keiner Vorführung auffallen — und doch darüber entscheiden, ob die Software im Alltag trägt. Das sind die Bereiche, die die KI gern überspringt und die Stück für Stück abgearbeitet werden müssen:
Sie zahlen für das, was man nicht sieht.
Im Stack-Overflow-Entwicklerreport 2025 ist „fast richtig, aber nicht ganz" der meistgenannte Frust mit KI-Code (66 Prozent), gefolgt vom Aufwand, solchen Code zu prüfen und zu korrigieren (45 Prozent). Der Code sieht fertig aus — und ist es nicht. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.
Sonderfälle
Was passiert, wenn ein Feld leer bleibt, ein Name Sonderzeichen enthält oder zwei Kunden gleichzeitig dasselbe buchen? Die Demo kennt diese Fälle nicht. Der echte Betrieb besteht aus ihnen.
Sicherheit
Wer darf was sehen und ändern? Was ist gegen Missbrauch geschützt? KI-Code „funktioniert" oft, ohne abgesichert zu sein. Sicherheit ist kein Schalter, den man am Ende umlegt.
Datenschutz
Personenbezogene Daten erfordern in Europa klare Regeln: Einwilligung, Speicherorte, Löschfristen. Die DSGVO interessiert sich nicht dafür, ob der Code von einer KI stammt.
Schnittstellen
Zahlungsanbieter, Warenwirtschaft, Newsletter, Buchhaltung: Software muss mit anderen Systemen sauber zusammenspielen. Genau hier brechen Prototypen, sobald echte Daten fließen.
Barrierefreiheit & Geräte
Funktioniert es auf dem alten Smartphone, im schwachen Netz, mit Tastatur und Vorlesefunktion? Seit 2025 ist Barrierefreiheit für viele Anbieter sogar Pflicht — nicht Kür.
Wartung
Software ist nie „fertig". Browser ändern sich, Gesetze ändern sich, Angreifer werden besser. Wer baut, baut auch die nächsten Jahre. Code, den niemand versteht, lässt sich nicht pflegen.
Der Unterschied zwischen einer beeindruckenden Vorführung und einer Software, auf die Sie Ihr Geschäft stellen können, lässt sich auflisten. Es ist genau die Liste, die in den schnellen 90 Prozent noch fehlt:
„Fast fertig" ist kein Zustand.
Eine Software, die zu 90 Prozent läuft, läuft nicht — sie sieht nur so aus. Die fehlenden 10 Prozent sind nicht der Feinschliff, sondern der Teil, der entscheidet, ob Sie damit arbeiten können.
| Aspekt | KI-Prototyp (die ersten 90 %) | Betriebsbereit (die letzten 10 %) |
|---|---|---|
| Daten | Saubere Beispieldaten | Echte, unordentliche Kundendaten |
| Fehler | Treten in der Demo nicht auf | Abgefangen und sauber gemeldet |
| Sicherheit | Selten mitgedacht | Von Grund auf eingebaut |
| Datenschutz (DSGVO) | Nicht berücksichtigt | Nach aktuellen Anforderungen eingerichtet |
| Schnittstellen | Vorgetäuscht oder fehlend | Echt angebunden und getestet |
| Wartung | Code schwer nachvollziehbar | Verständlich und pflegbar |
04
Wie die letzten 10 %
planbar werden
Bekannte Arbeit.
Fester Preis, fester Termin.
Hier kommt der eigentliche Punkt dieses Textes, und es ist eine gute Nachricht: Was bekannt ist, lässt sich planen. Weil die 10/90-Verteilung kein Geheimnis ist, sondern tägliche Routine, werden die tragenden 10 Prozent von der ersten Stunde an mit eingeplant — nicht als Risiko am Ende, sondern als fester Bestandteil des Angebots. Deshalb arbeitet Dynamic Visual mit Festpreis und festem Termin.
Der Termin gilt der fertigen Software.
Genannt wird kein Datum für den Prototyp, auf das dann der Rest folgen soll. Der Zeitplan beschreibt von Anfang an die betriebsbereite Lösung — Sonderfälle, Sicherheit und Tests inklusive. Was Sie als Termin hören, ist der Termin, an dem Sie wirklich starten können.
Aus über 20 Jahren Webentwicklung ist daraus ein eingespielter Ablauf geworden — fünf Leitplanken, die jedes Projekt von Anfang bis Betrieb tragen:
- Umfang abgrenzen
- schriftlich, vor dem Bauen
- Die letzten 10 % einplanen
- im Angebot, nicht im Nachtrag
- Gegen echte Daten testen
- unordentlich, auf echten Geräten
- Jede Zeile verantwortet ein Mensch
- die KI entwirft, der Entwickler haftet
- Fester Preis, fester Termin
- inklusive der tragenden 10 %
Gute Abläufe machen KI besser — nicht umgekehrt.
Der DORA-Report 2025, die größte Langzeitstudie zur Softwareentwicklung, bringt es auf den Punkt: KI verstärkt das, was schon da ist. Teams mit klaren Abläufen liefern mit KI spürbar schneller; Teams ohne sammeln nur schneller offene Enden an. Das Werkzeug ersetzt das Handwerk nicht — es belohnt es.
05
Was das für
Ihr Projekt heißt
KI ist ein Werkzeug.
Kein fertiges Produkt.
Künstliche Intelligenz ist großartig und kommt täglich zum Einsatz, um schneller und besser zu arbeiten. Sie verschiebt die Arbeit nur: weg vom Tippen, hin zum Prüfen, Absichern und Fertigstellen. Genau dort, in den letzten 10 Prozent, entsteht der Wert, den Sie bezahlen — und genau dort ist Dynamic Visual zu Hause.
Die ehrliche Einordnung.
Verspricht Ihnen jemand eine Software „in wenigen Tagen, komplett mit KI", fragen Sie nach den letzten 10 Prozent. Bekommen Sie eine klare Antwort, sind Sie richtig. Bekommen Sie keine, kaufen Sie eine Vorführung — kein Produkt.
Erwartung
Tempo richtig einordnen
Ein schneller Prototyp ist ein gutes Zeichen — und ein guter Anfang. Den belastbaren Zeitplan macht, wer die letzten 10 Prozent von Beginn an mitrechnet.
Planung
Festpreis statt Schätzung
Wer die Verteilung kennt, kann sie zum Festpreis anbieten. Sie wissen vorab, was es kostet und wann Sie starten — die tragenden 10 Prozent sind eingepreist.
Wert
Erfahrung macht den Unterschied
Die letzten 10 Prozent meistert, wer das System wirklich versteht. Dafür gibt es Dynamic Visual — nicht statt der KI, sondern dort, wo die KI aufhört.
Sie planen eine Website, einen Shop oder eine eigene Anwendung?
Dann lassen Sie uns über das ganze Bild reden — die schnellen 90 Prozent und die tragenden 10 — bevor Sie anfangen. Ehrlich, ohne Fachchinesisch, mit Festpreis und festem Termin.
Zum Mitnehmen.
Die KI schreibt die ersten 90 Prozent in Stunden. Die letzten 10 — Sonderfälle, Sicherheit, Datenschutz, Schnittstellen, Wartung — sind die eigentliche Ingenieursarbeit. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine planbare: Wer diese 10 Prozent von Anfang an einkalkuliert, nennt einen Preis und einen Termin, die halten. Genau das ist solides Handwerk.
Quellen: Ninety-ninety rule — Tom Cargill (Bell Labs), popularisiert durch Jon Bentley, „Programming Pearls", Communications of the ACM, September 1985. · Addy Osmani, „The 70 % Problem: Hard Truths about AI-assisted Coding" (2024) und „The 80 % Problem in Agentic Coding" (2026). · METR, „Measuring the Impact of Early-2025 AI on Experienced Open-Source Developer Productivity" (2025). · Stack Overflow Developer Survey 2025. · DORA / Google, „State of AI-assisted Software Development" (2025).